Dr. Michael Dieter: Der Zahnarzt hat durch CAD/CAM eine Reihe von Vorteilen. Wenn er sofort den präparierten Zahn versorgt, braucht er kein Provisorium mehr. Er arbeitet also effizienter.

Haben Sie sich schon einmal mit den Vorteilen und Chancen der digitalen Zahnheilkunde beschäftigt? Erwägen auch Sie, Ihre Zahnarztpraxis künftig auf CAD/CAM auszurichten? Dann hilft Ihnen unser Interview mit Zahnarzt Dr. Michael Dieter (Ivoclar Vivadent AG, Schaan/Liechtenstein) bestimmt weiter.

Herr Dr. Dieter, wie lange arbeiten Sie schon mit digitalen Techniken in der Zahnarztpraxis?

Dr. Michael Dieter: Ich habe vor 18 Jahren angefangen, mit digitalen Fertigungsmethoden zu arbeiten. Damals steckte CAD/CAM noch in der Anfangsphase. Wir fertigten viele Inlays und Onlays an, die bereits zahnfarben waren. Alles Weitere – Kronen, Teilkronen, Veneers – war damals noch ziemlich experimentell. Aber ich habe mich trotzdem daran gewagt. Es war sehr beschwerlich, weil es am Stuhl lange dauerte. Aber das Feedback der Patienten war toll. Sie freuten sich, weil sie kein Provisorium brauchten, sondern nach einer einzigen Sitzung mit der Behandlung fertig waren. Denn die Restaurationen wurden ja sofort adhäsiv befestigt.

Wie hat sich die CAD/CAM-Technologie seitdem weiterentwickelt?

Dr. Michael Dieter: Seitdem gab es eine rasante Entwicklung. Wie auch bei den gängigen Kommunikationsmitteln ging alles unglaublich schnell weiter. Waren anfangs nur relativ kleine Einzelzahnrestaurationen möglich, stehen uns heute viel mehr Optionen zur Verfügung. Wir können problemlos Kronenstandardversorgungen anbieten – sowohl auf vitalen Zähnen als auch auf Implantaten. Stichwort Hybridkrone: Da lässt sich zum Beispiel die Vollkeramik IPS e.max CAD chairside schleifen und mit einer Titaniumbasis verkleben – und dieser Aufbau dann direkt auf dem Implantat verschrauben. Dreigliedrige Brücken sind heute ebenfalls ohne Probleme digital realisierbar. Einst war das undenkbar. Und schliesslich Veneers, also ästhetische, minimalinvasive Restaurationen im Frontzahnbereich. Zwar erfordern die etwas mehr Aufwand, aber es lassen sich sehr hochwertige und schöne Restaurationen herstellen. Kurzum: Es kam eine Vielzahl von Möglichkeiten hinzu.

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Welche Vorteile hat die CAD/CAM-Technologie für den Zahnarzt?

Dr. Michael Dieter: Der Zahnarzt hat durch CAD/CAM eine Reihe von Vorteilen. Wenn er sofort den präparierten Zahn versorgt, braucht er kein Provisorium mehr. Er arbeitet also effizienter. Zudem ist der Klebevorgang am Zahn viel besser, weil die Haftkräfte an frisch präparierter Zahnhartsubstanz deutlich höher sind. Bei einem vorherigen Provisorium ist die Klebequalität schlechter.

Ein weiterer Aspekt: Wenn der Zahnarzt für den Zahntechniker konventionelle Abdrücke anfertigt, kann er diese nicht immer in Bezug auf die vollständige Erfassung des Präparationsrandes und eine ausreichende Präparationstiefe kontrollieren. Zahnärzte, die schon Erfahrung mit intraoralem Scannen haben, fertigen in der Regel bessere Präparationen an. Denn sie können den Scan vergrössert und oft auch in Farbe anschauen und eventuell vorhandene Unzulänglichkeiten sofort korrigieren. Dieses direkte visuelle Feedback ist nur mit CAD/CAM möglich. Ein klarer Vorteil sowohl für den Zahnarzt als auch – in der Folge – für den Zahntechniker, der keine unzulänglichen Präparationen mehr bekommt und deshalb die Präparation nicht neu anfertigen muss.

Und schliesslich: Mit CAD/CAM steigt das Image der Praxis. Wenn Patienten selbst sehen, wie gescannt wird, wie das Design angefertigt wird, wie ihre Restauration aus dem Block geschliffen und befestigt wird, bleibt das nicht ohne Wirkung. So etwas beeindruckt. Bisweilen hat es gar zur Folge, dass Patienten explizit eine CAD/CAM-gefertigte Restauration haben wollen, obwohl die für ihre Behandlung gar nicht indiziert ist. Zu guter Letzt: Der Zahnarzt bekommt zufriedenere Patienten.

Warum? Was sind ganz konkret die Vorteile für Patienten?

Dr. Michael Dieter: Die Patienten finden es zum Beispiel gut, wenn nur noch eine Sitzung vonnöten ist. Sie verlassen die Praxis, und alles ist fertig.Dr. Michael Dieter: Auch da gibt es einige Punkte zu nennen. Die Patienten finden es zum Beispiel gut, wenn nur noch eine Sitzung vonnöten ist. Sie verlassen die Praxis, und alles ist fertig. Speziell Patienten mit längeren Anreisezeiten werden dafür dankbar sein. Und weil sie kein Provisorium mehr benötigen, gibt es auch keine Probleme mehr mit herausgefallenen oder gebrochenen Provisorien.
Toll ist auch, dass eine beschädigte Restauration schnell ersetzt werden kann – oft binnen 15 bis 20 Minuten. Der Zahnarzt hat schliesslich die Daten noch alle in der Datenbank; darunter auch Zahnfarbe und Transluzenzgrad. Er muss also einfach die eingespeicherte Restauration nur noch einmal neu ausfräsen.
Und abschliessend: Der Patient schätzt die Restauration umso mehr, wenn er live miterleben kann, wie sein Zahnarzt sie herstellt. Vielleicht kann er sogar dabei zuschauen, wie seine Restauration in der Maschine gefräst wird. Manche Zahnärzte haben ihre Geräte nämlich im Wartezimmer platziert. Das macht einen Zahnarztbesuch richtig spannend.

Wie können sich Zahnärzte in Sachen CAD/CAM weiterbilden?

Dr. Michael Dieter: Viele Zahnarztgesellschaften bieten diesbezügliche Weiterbildungen an. Zum Teil gibt es sogar – Beispiel Deutschland – Gesellschaften, die sich auf computergestützte Zahnheilkunde spezialisiert haben. Aber auch die Industrie hilft den Zahnärzten weiter. Ivoclar Vivadent zum Beispiel hat in ihren Trainingszentren (ICDE) immer wieder CAD/CAM-Kurse laufen. Dort werden die Teilnehmer/-innen für den ganzen Workflow geschult. Es werden sämtliche Schritte – Indikationsstellung, Präparationstechniken, Auswahl der Keramik, Herstellung der Restauration aus der Keramik, Kristallisation mit IPS e.max oder Polieren, farbliche Gestaltung, Befestigung, abschliessende Politur – behandelt. Die Zahnärzte sollen danach in der Lage sein, auf ihren CAD/CAM-Systemen gleich mit den Materialien des Anbieters starten zu können.

Ivoclar Vivadent bringt mit Ivoclar Digital eine Marke mit klarem Fokus auf den Markt. Künftig steht das Label für einen kompetenten digitalen Partner, der Zahnärzte entlang der gesamten digitalen Prozesskette begleiten wird.Ich möchte zu den ersten gehören, die mehr erfahren!

 

IPS e.max ist ein eingetragenes Warenzeichen der Ivoclar Vivadent AG. Die Verfügbarkeit bestimmter Produkte kann je nach Land variieren.