Der Zahnarzt der Zukunft – ein Roboter?
Haben Sie es gelesen? Vor einiger Zeit ging eine Nachricht um die Welt, die die Dentalbranche aufhorchen liess: Demnach hat in China ein Roboter eine Implantation durchgeführt – ohne menschliches Zutun. Das anwesende Personal beschränkte sich darauf, den Eingriff des Roboters zu überwachen. Da tut sich die Frage auf: Werden in Zukunft Patienten von Maschinen anstatt von Zahnärzten behandelt?

Roboterarm reagierte auf Patientenbewegungen

Von erfahrenen Operateuren beaufsichtigt, setzte der Roboterarm einer Patientin selbstständig zwei Implantate ein. Dieser Eingriff dauerte rund eine Stunde. Der Ort des Geschehens: eine Praxis in der Provinz Shaanxi in China. Wie zu lesen ist, verfügte der fragliche Roboter über die Fähigkeit, auf die Bewegungen der Patientin zu reagieren und sich neu zu justieren.

Vier Jahre Entwicklungszeit

Vier Jahre lang hat die Entwicklung des Roboters laut kursierenden Medienberichten gedauert. Den Ausschlag zu diesem Projekt gaben vor allem zwei Faktoren: zum einen der Zahnärztemangel in China, zum anderen der hohe Bedarf an Implantationen. 400 Millionen Menschen im Reich der Mitte sollen Bedarf an Implantaten haben. 

Projekt auch in den USA

 «Alles, was automatisiert werden kann, wird auch automatisiert werden», lautet ein Zitat der US- Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff. Nicht von ungefähr laufen vergleichbare Projekte auch anderswo auf der Welt. Verwiesen sei beispielhaft auf ein Projekt in den USA, das in eine ähnliche Richtung geht: Dort erhielt ein vergleichbarer Roboterarm vor einigen Monaten die Zulassung der FDA (Food and Drug Administration). Der Unterschied zu seinem chinesischen «Kollegen»: Der amerikanische Roboter-Zahnarzt ist vorerst nur als Assistenzsystem konstruiert. Er soll dabei helfen, Operationszeiten zu verkürzen und die Präzision zu erhöhen. Konkret soll er unter anderem überprüfen, ob bei einer Implantation der Bohrer korrekt platziert und geführt wird.  Auf diese Weise könnten solche Eingriffe in Zukunft ohne Bohrschablonen auskommen.

Zahnarzt bleibt unverzichtbar

Sind solche Ansätze die Lösung, um in Regionen mit Zahnärztemangel eine Versorgung der Patienten sicherzustellen? Können und sollten Maschinen den Zahnarzt mit seiner Expertise und seinen Fähigkeiten ersetzen? Wie würden Patienten darauf reagieren? Und ist alles wünschenswert, was technisch möglich ist? Zahnarzt Torsten Meyer-Elmenhorst von der Ivoclar Vivadent AG macht sich diesbezüglich keine Sorgen: «Roboter können nur das übernehmen, was ihnen Menschen beigebracht haben. Man kann sie in die Lage versetzen, anhand von Datensätzen bestimmte Arbeitsschritte hochpräzise ausführen. Gleichwohl werden solche Roboter immer nur Assistenz-Systeme bleiben. Wenn es darum geht, Indikationen zu bestimmen und Entscheidungen zu fällen, wird auch in Zukunft der approbierte Zahnarzt – und damit der menschliche Fachmann – auf Dauer unverzichtbar bleiben.»

Lesen Sie den Original-Artikel zum chinesischen Dental-Roboter hier.

 

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