Im Bereich der Serious Games in der Oralprophylaxe lassen sich viele interessante Projekte finden, mit allerdings nur wenigen Untersuchungen zu den Effekten dieser Spiele: App BrushDJ. Source: BrushDJComputerspiele und digitale Medien bestimmen zunehmend den Alltag von Kindern und Jugendlichen. In öffentlichen Debatten werden zumeist negative Gesundheitsfolgen des intensiven Computerspielens beleuchtet. Dabei geht es auch anders: Serious Games können die Mundgesundheit fördern und somit für die Oralprophylaxe von Nutzen sein. Erfahren Sie mehr in unserem Gastbeitrag. 

Ein Beitrag Priv.-Doz. Dr. Johan Peter Wölber, Freiburg/Deutschland

In öffentlichen Debatten werden zumeist negative Gesundheitsfolgen des intensiven Computerspielens – wie etwa Aggression, Trägheit, Abhängigkeit oder muskulo-skelettale Schäden – beleuchtet. Allerdings gibt es auch Computerspiele, die die Gesundheit fördern können: sogenannte Serious Games. Diese sollen zum Beispiel Lern- und Motivationsinhalte wie Sprachen, Naturwissenschaft oder Gesundheitsinhalte unterhaltsam und zugleich spielerisch vermitteln.

Mundgesundheit: Ansätze mit Serious Games gibt es schon

Serious Games werden bereits in vielen Bereichen mit Erfolg eingesetzt. Eine Meta-Analyse zu den Gesundheitseffekten konnte signifikante Verbesserungen in unterschiedlichen Gesundheitsbereichen feststellen (DeSmet et al., 2014). Allerdings waren die Ergebnisse sehr heterogen in Bezug auf das verwendete Spiel. Und auch in der Mundgesundheitsförderung gibt es erste Ansätze.

2 Bereiche für digitale Medien

Die Computerspiele können so vielfältig aussehen wie ihre Anwendungsformen. Grob lassen sich zwei Bereiche für digitale Medien zur Förderung der Mundgesundheit unterscheiden:

  1. Computerspiele zur Förderung kognitiver Aspekte wie Wissen, Selbstwirksamkeit, Motivation (z. B. bezüglich Mundhygiene, Fluoriden) Beispiel: Protectus 
  2. Computerspiele zur Förderung motorischer Fähigkeiten über Feedback-Mechanismen in der Nintendo Wii, Playbrush oder Applikationen (Apps)

Diese beiden Bereiche sind kombinierbar. Im Fall der Beeinflussung motorischer Fähigkeiten lässt sich etwa die Beeinflussung motivationaler Faktoren wie der Selbstwirksamkeit gar nicht vermeiden, da das eigene Erleben (von erfolgreicher Mundhygiene) immer auch die Selbstwirksamkeit beeinflusst.

Motivierende Apps: Smartguide, BrushDJ und Co.

Neben diesen Spielen kursieren auch digitale applikationsbasierte Motivationshilfen (z. B. die Oral-B-App Smartguide, BrushDJ, Anwendungen mit WhatsApp). Diese können allerdings weniger als Spielformen gesehen werden.

Erste Untersuchungen lassen aufhorchen

Es gibt bereits Studien und Untersuchungen zu diesem Thema. Ich möchte hier nur ein paar Beispiele nennen:

  1. Digitales Zahnputzspiel erbringt höhere Werte
    Im deutschsprachigen Raum konnte eine Arbeitsgruppe um Höfer et al. (2017) an 49 Vorschulkindern zeigen, dass ein applikationsgestütztes Zahnputzspiel (Rainbow, Vigilant) sowohl die Plaque- als auch die Gingivitis-Werte signifikant senken konnte im Vergleich zu einer Zahnbürste ohne applikationsgestütztes Spiel. Die Werte der Experimentalgruppe waren dabei nach 6 Wochen mit Applikation wie auch weitere 6 Wochen ohne Applikation besser im Vergleich zur Kontrollgruppe.
  2. Zahn-Selfies: weniger Plaque und Gingivitis
    Im Bereich der nicht-spielebasierten digitalen Motivationshilfen konnten Zotti et al. (2016) bei 80 Jugendlichen zeigen: Teilnehmer, die regelmässig Selfies von ihren Zähnen in einer WhatsApp-Gruppe verschickten, zeigten signifikant geringere Plaque- und Gingivitiswerte auf.
  3. Länger putzen dank hilfreicher App
    In einer Anwenderbefragung von 189 Teilnehmern untersuchten Underwood et al. (2015) die Erfahrungen mit der BrushDJ-Applikation. Die App informiert Anwender regelmässig via «Push»-Meldungen über Empfehlungen und Informationen zur Mundhygiene. Ein Grossteil der Befragten berichtete, länger zu putzen und auch Freunden die App zu empfehlen.

Fazit: Vielversprechende erste Resultate, aber noch keine Langzeitevidenz

Im Bereich der Serious Games in der Oralprophylaxe lassen sich viele interessante Projekte finden, mit allerdings nur wenigen Untersuchungen zu den Effekten dieser Spiele. Im Gegensatz dazu zeigen Studien zu applikationsbasierten Motivations- beziehungsweise Putztechnikhilfen erste positive und vielversprechende Ergebnisse.

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Der Autor

Priv.-Doz. Dr. Johan Peter Wölber ist an der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie des Universitätsklinikums Freiburg/Deutschland tätig. Zu seinen Tätigkeitsschwerpunkten gehören die Parodontologie und die Mundgesundheitsförderung. 

Der Originalbeitrag ist in dem deutschen Fachmagazin «Zahnärztliche Mitteilungen» (Ausgabe 20/2017) erschienen.