5F5A8244-1-1Digitale Prozesse werden in der Zahntechnik zunehmend wichtiger. Inzwischen sind CAD/CAM-Lösungen für fast alle Indikationen verfügbar. Allein die Totalprothetik schien bis vor kurzer Zeit von dieser Entwicklung noch weitgehend unberührt. Erst vor kurzem haben einzelne Hersteller begonnen, sich auch mit digitalen Lösungen für diese Indikation zu befassen. Erfahren Sie in diesem Interview, welche Erfahrungen Zahntechnikermeisterin Sonja Ganz (Deutschland) mit digitalen Prozessen in der Totalprothetik gemacht hat.

Interview mit Zahntechnikermeisterin Sonja Ganz (Deutschland) zur Digital Denture von Ivoclar Vivadent

Frau Ganz, was verbirgt sich hinter dem Begriff Digital Denture?

Sonja Ganz: Digital Denture ist ein vollständig digitaler und komplett validierter Prozess für die Herstellung von Totalprothesen. Er umfasst die CAD/CAM-Seiten, also das CAD-Design, die CAM-Fertigung und dazu die passenden Materialien. Es handelt sich um den ersten komplett digitalen Prozess in der Totalprothetik. Dieser Prozess wurde zum ersten Mal auf der IDS 2015 vorgestellt.

Seit wann arbeiten Sie schon mit Digital Denture?

Sonja Ganz: Die Markteinführung der Digital Denture Professional war vor drei Jahren auf der IDS 2015. Allerdings fanden die Betatests schon im Jahr 2014 statt. Da wir als Betatester von Anfang an mit im Boot waren, arbeiten wir seit insgesamt vier Jahren mit Digital Denture.

Welche Vorteile bietet Digital Denture für Anwender?

Sonja Ganz: Die Anwender können beispielsweise den Behandler bitten, eine feste Registrierung vorzunehmen, und diese dann vollständig digital einlesen und damit arbeiten. Sie können die Prothese nach einem Aufstellungskonzept konstruieren und dafür die ihnen bekannten Ivoclar Vivadent SR Phonares- oder SR Vivodent-Zahngarnituren aus ihrem Zahnschrank verwenden. Letzten Endes können sie dann die Prothesen digital mit den CAD/CAM-Maschinen von Ivoclar Vivadent fertigen.

Sonja Ganz

Durch diese digitale Fertigungsweise immer die gleiche. Das Ergebnis ist somit vorhersagbar. Ich habe weniger Fehlerquellen und eine enorme Wiederholgenauigkeit.
Außerdem möchte ich hervorheben, dass junge Zahntechniker digital arbeiten wollen. Mit einem Prozess wie der Digital Denture kann ich ihnen unseren Beruf noch einmal interessanter darstellen und sie dadurch noch mehr für die Zahntechnik begeistern.

Welche Vorteile bietet Digital Denture für Patienten?

Sonja Ganz: Die Patienten profitieren auch von der Digital Denture, denn sie benötigen nicht mehr wie gewöhnlich eine Vielzahl an Sitzungen. Im Idealfall würde es von der ersten Abformung bis zur endgültigen Versorgung nur noch drei Sitzungen brauchen.  Zudem erhalten sie Materialien, die sehr gut verträglich und außerdem sehr haltbar sind. Beispielsweise die Totalprothesen haben einen ausgezeichneten Sitz und sind sehr bruchfest. 

Was hat Sie bewogen, mit Digital Denture zu arbeiten?

Sonja Ganz: Wir sind ein Labor, das sehr innovativ unterwegs ist. Inzwischen haben wir weit über 70 Prozent digitale Prozesse in unsere Arbeit eingebunden, weil ein großes Interesse bestand, auch die herausnehmbare Prothetik mit digitalen Vorgängen zu meistern.
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Digital Denture ein erster und sehr guter Entwicklungsschritt für uns sein wird, was die digitale Totalprothetik betrifft. Sie ist unglaublich ausbaufähig und steckt weiterhin voller Potenzial.

Hat Sie das Konzept von Anfang an überzeugt?

Sonja Ganz: Ein ganz klares Ja. Bei der Digital Denture hatte ich gleich das Gefühl, dass mir all die Dinge, die ich in 26 Jahren als Zahntechnikerin gelernt habe, nicht genommen wurden, sondern in digitale Prozessschritte umgewandelt worden sind. Das System steht für einen vertrauten Prozess, der mir in analoger Form seit Jahrzehnten geläufig war. Bewährtes wurde digitalisiert, beispielsweise die Registrierung, die der Behandler mir in die Hand gibt. Oder das Aufstellsystem, das ich händisch gelernt habe – nun habe ich es digital. Den ganzen Prozess konnte sich von Anfang an prima umsetzen, ohne große Umgewöhnung, allerdings mit den natürlich bewährten Materialien von Ivoclar Vivadent.

Kurzum: Digital Denture war für mich von Anfang an ein guter Weg.

IvoBase CAD   SR Vivodent CAD

Welche Erfahrungen haben Sie mit Digital Denture gemacht?

Sonja Ganz: Am Anfang muss man natürlich zuerst einmal die Kunden für etwas Neues begeistern. Da lief es ganz ähnlich wie vor einigen Jahren mit der Vollkeramik. Die Kunden waren damals an Metallkeramik gewöhnt, und wir mussten sie mit starken Ergebnissen von den neuen Materialien überzeugen. Den gleichen Schritt sind wir jetzt auch wieder gegangen. Wir haben Kunden in unserem Kundenstamm, die seit Jahren hervorragende Totalprothetik betreiben. Ich habe sie einfach gebeten, mir das Vertrauen zu schenken und sich auf den neuen digitalen Prozess einzulassen. Und das hat gut funktioniert.

Digital Denture

Sprechen Sie mit Ihren Kolleginnen/Kollegen über «Digital Denture»?

Sonja Ganz: Wir werden relativ oft von Kollegen auf Digital Denture angesprochen. Sie fragen sich – und uns – häufig: Ist das der richtige Weg? Sollen sie sich das auch trauen? Lohnt sich die Investition?
Hierzu muss ich sagen: Die digitale Technik beruht ja auf einer CAD-Software, die in vielen Laboren bereits vorhanden ist. Da fehlt dann nur noch das entsprechende Add-on. Und diese Investition zu riskieren, ist auf jeden Fall ein guter Weg. Ein Labor, das digital schon fest im Sattel sitzt, fühlt sich darin schnell zu Hause und bekommt die Digital Denture meist rasch umgesetzt.


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Wie lange arbeiten Sie schon mit digitalen Verfahren in Ihrem Labor?

Sonja Ganz: Ich arbeite schon seit 18 Jahren mit digitalen Verfahren, also im Grunde von Anfang an, seit es CAD/CAM-Technik in der Dentalbranche gibt.

Wird künftig jeder Arbeitsschritt bzw. jede dentale Restauration digital sein?

Sonja Ganz: Es wäre unser Wunsch, unser Labor in der Zukunft irgendwann ganz digitalisieren zu können. Wie schon erwähnt, wollen wir unseren Beruf interessant halten für junge Menschen, die längst dank Computer und Smartphone digital unterwegs sind. Wir sehen aus unserer Erfahrung, welches Potenzial digitales Material für uns hat. Ich glaube, dass sich in der Zukunft die komplette Zahntechnik digitalisieren lässt. Das soll aber auf keinen Fall heißen, dass die Menschen dahinter nicht mehr gebraucht werden. Es soll bedeuten, dass das, was wir heute noch selbst mit unseren Händen tun, sehr gut digital unterstützt werden kann.  Wir wollen bei allen zukünftigen Arbeitsschritten die Möglichkeit haben, frei auszuwählen: Was wollen wir noch händisch leisten und was komplett digital abrufen?

Wo sehen Sie die Chancen und Potenziale von CAD/CAM – und wo die Risiken und Grenzen?

Sonja Ganz: Momentan gibt es einfach ganz strikte Grenzen, allein schon materialbedingt: Man kann noch nicht jedes Material digital verarbeiten, auch wenn die Industrie längst daran feilt, jedes Material früher oder später zu digitalisieren. Da kommt natürlich die Frage auf: Werden bestimmte Materialien irgendwann durch neue Entwicklungen überflüssig und letztendlich ersetzt?
Um den Risiken vorzubeugen, die auftreten, wenn man einen neuen Prozess gleich von null auf hundert in Angriff nimmt, sollte man lieber schrittweise vorgehen. In unserem Labor haben wir immer einen Mix aus erfahrenen, konventionell arbeitenden Technikern und jungen, digital interessierten Menschen, was wir sinnvoll genutzt haben. Gerade aus dieser Kombination sind immer wieder tolle Ergebnisse entstanden.

Eine ausführlichere Version dieses Interviews ist in der Ausgabe des Fachmagazins "Das Dental Labor" 8/2018 erschienen (deutsch). 

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SR Phonares und SR Vivodent sind eingetragene Warenzeichen der Ivoclar Vivadent AG. Die Verfügbarkeit bestimmter Produkte kann je nach Land variieren.