Digital Denture ist ein kompletter Herstellungsprozess zur schnellen digitalen Fertigung abnehmbarer Prothesen.Haben Sie schon von Digital Denture gehört? Mit diesem Prozess können Sie Totalprothesen digital herstellen und sich die Arbeit erheblich vereinfachen. Lesen Sie in diesem Interview, was dahintersteckt und wo konkret die Vorteile für Sie als Anwender liegen. Wir haben Martina Specht, Thomas Baaske und Antonio Ferilli vom Marketing «Digitale Abnehmbare Prothetik» bei Ivoclar Vivadent in Schaan/Liechtenstein befragt.

Wofür steht eigentlich Digital Denture?

Antonio Ferilli: Digital Denture ist ein kompletter Herstellungsprozess zur schnellen digitalen Fertigung abnehmbarer Prothesen. Dieser neue innovative Prozess verknüpft die digitale Fertigung im Labor mit den etablierten zahnärztlichen Behandlungsschritten. Eine exklusiv entwickelte Design-Software und ideal aufeinander abgestimmte Materialien in Kombination mit speziellen Fertigungsstrategien bis hin zur modernen Fräsmaschinen-Plattform PrograMill versprechen vorhersehbare und konstante Ergebnisse.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Herstellung von Totalprothesen zu digitalisieren?

Digital Denture - InterviewAntonio Ferilli: Das lag gewissermassen auf der Hand. Die Digitalisierung ist schon seit über 20 Jahren ein Thema in der Zahntechnik. Die Bandbreite dessen, was digital – oder mit digitaler Unterstützung – herstellbar ist, wird von Jahr zu Jahr grösser. Deswegen erschien es uns logisch, die Möglichkeiten von CAD/CAM auch für Totalprothesen anzuwenden. Gerade hier sind nämlich im manuellen Verfahren viele komplexe Arbeitsschritte erforderlich. Mit digitalen Prozessen lässt sich eine Menge vereinfachen und ausserdem beschleunigen.

Welchen konkreten Nutzen bringt Digital Denture dem Zahntechniker?

Antonio Ferilli: Einerseits spart er viel Zeit. Konkret kann er seinen Zeitaufwand in etwa um die Hälfte reduzieren. Ein ebenso wichtiger Punkt ist die Reproduzierbarkeit: Die Daten sind digital verfügbar. Und die Qualität bleibt immer dieselbe, weil Geräte und Software viele Arbeitsschritte in einem validierten Prozess übernehmen. Aber natürlich bleibt der Zahntechniker weiterhin unverzichtbar: Er bedient die Software, und er muss sein Fachwissen einbringen. Zum Beispiel, indem er die Zähne oder Zahnsegmente in Relation zum Kiefer positioniert, damit die Funktion stimmt. Mensch und Technik ergänzen einander – ein starkes Zusammenspiel. Das führt zu noch besseren Resultaten und zu noch zufriedeneren Patienten.

Welches Material wird bei Digital Denture verwendet und wodurch zeichnet es sich aus?

Thomas Baaske: Es gibt eine pinke und eine zahnfarbene Scheibe: das Prothesenbasismaterial namens IvoBase CAD und das Zahnmaterial namens SR Vivodent CAD. Das Prothesenbasismaterial bieten wir in unseren bewährten und bekannten Farben an. Es ist besonders bruchstabil und erreicht die Normwerte für schlagzähe Prothesenkunststoffe.

Digital Denture - DiscsSR Vivodent CAD hingegen besteht aus einem DCL-Material, das wir auch bei einigen unserer konventionellen Zahnlinien verwenden. Es vereint die Vorteile des PMMA mit denen von Composite. Das bedeutet: Dieses Material hat eine sehr geringe Plaqueaffinität und zudem eine hohe Abrasionsstabilität. Diese wird durch unterschiedliche organische Füllstoffe ermöglicht.

Hinzu kommt, dass in unserem neuen Herstellprozess die Zähne miteinander verblockt sind. Dies stabilisiert die CAD/CAM-Prothesen im Vergleich zu konventionellen Prothesen, welche aus einzelnen Zähnen gefertigt sind. Die Stabilität der Prothesen mit SR Vivodent CAD ist deshalb enorm.

Wie ästhetisch ist dieses industriell gefertigte Material?

Thomas Baaske: Die Ästhetik entspricht annähernd der von mehrschichtigen konventionellen Prothesenzähnen in A-D-Farben. Dies haben wir erreicht, indem wir die Opazität der SR Vivodent CAD-Scheiben so eingestellt haben, dass wir die gewünschte Zahnfarbe hinsichtlich Opazität und Transluzenz optimal treffen. Die Frontzähne werden zur Schneidekante hin schmaler. Deswegen wirken sie dort transluzenter. Im Bereich des Zahnhalses, wo die Zähne sehr massiv sind, haben sie hingegen eine höhere Opazität. Diese haben wir dahingehend optimiert, dass wir bei monochromatischem Material in Verbindung mit vollanatomischen Zähnen eine tolle natürliche Zahnfarbe erhalten. Die mit Digital Denture gefertigten Zähne wirken deshalb sehr ästhetisch und natürlich.
Sollten darüber hinaus weitere Individualisierungen wie etwa Schmelzrisse gewünscht sein, können Zahntechniker diese zum Beispiel mit dem lichthärtenden Labor-Composite SR Nexco einarbeiten. 

Zur Software: Welche Varianten bieten Sie an?

Antonio Ferilli: Das Digital Denture-Modul ermöglicht den schnellen, einfachen Prozess mit den zwei Materialscheiben. Zudem gibt es eine Premium-Variante namens «Digital Denture Professional». Dieses Modul hat den Fokus auf dem klinischen Bereich, der ja ebenfalls sehr wichtig ist. Bei dieser Variante können die patientenspezifischen klinischen Daten – die vorher mit diversen klinischen Hilfsinstrumenten ermittelt wurden – in die Software übertragen werden. Anschliessend kann die Prothese entweder mit einzelnen, konfektionierten Zähnen angefertigt werden – oder mit dem Zahnkranz, der aus der SR Vivodent CAD-Materialscheibe gefräst wird.

Haben Sie bei der Entwicklung der Digital Denture mit externen Anwendern kooperiert?

Digital Denture - ZahnkranzMartina Specht: Ja, wir haben von Anfang an mehrere Beta-Tester ins Boot geholt. Es handelt sich dabei um erfahrene Zahntechnikerinnen und Zahntechniker aus Deutschland, Italien, Frankreich, den USA und Australien. Die ersten Tests liefen 2014. Im Fokus der Tests standen die verschiedenen Komponenten der Digital Denture, also die Software, das Material sowie der Fertigungsprozess. Die Beta-Tester haben die ganze Entwicklung begleitet. Ihr Feedback und ihre Wünsche flossen in unsere Arbeit mit ein. Diese Nähe und Praxisbezogenheit waren uns wichtig. Denn schliesslich haben wir Digital Denture für die Anwender entwickelt.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Zahntechniker in den Digital Denture-Prozess einsteigen können?

Martina Specht: Der Prozess ist bewusst sehr flexibel gehalten. Wir haben deshalb unterschiedliche Modelle für den Einstieg erarbeitet, angepasst an die unterschiedliche Ausstattung der Labore. Grundsätzlich können die Prothesen mit einem 3Shape-Scanner und einem vorhandenen Zenotec Select-System oder auf unseren neuen PrograMill-Systemen gefertigt werden. Die Labore haben die Möglichkeit, die Software vorab mit CAD Points, die bei 3Shape gekauft werden können, zu testen.

Welche Arten von Prothesen lassen sich mit Digital Denture herstellen?

Antonio Ferilli: Digital Denture eignet sich nicht nur für Totalprothesen – also Prothesen, die Ober- und Unterkiefer umfassen –, sondern auch für Einzel-Totalprothesen – also nur Ober- oder Unterkiefer. Ausserdem lassen sich Duplikat- und Immediat-Totalprothesen damit herstellen. Kurzum: Es ist eine grosse Bandbreite an Indikationen möglich.

 

Wollen Sie mehr über digitale Herstellverfahren erfahren? Ivoclar Digital ist ein kompetenter digitaler Partner, der Zahnärzte und Zahntechniker entlang der gesamten digitalen Prozesskette begleitet. Dabei wird viel Wert auf einfache und verständliche Abläufe gelegt.

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SR Vivodent, IvoBase und SR Nexco sind eingetragene Warenzeichen der Ivoclar Vivadent AG. Die Verfügbarkeit bestimmter Produkte kann je nach Land variieren.