Totalprothetik ist eine Königsdisziplin, die individuelle Konzepte erlaubt. Je nach Patientenanspruch lässt sich aus unterschiedlichen Verfahrenstechniken das jeweils passende Vorgehen auswählen.Zahntechniker Erwin Eitler von der Zahnmanufaktur Zimmermann und Mäder AG in Bern/Schweiz hatte einen ungewöhnlichen Auftrag: Er durfte für seine Grossmutter eine Prothese anfertigen. Erfahren Sie in diesem Interview mehr zu diesem ungewöhnlichen Fall, zur Totalprothetik als zahntechnischer Königsdisziplin und zur künftigen Relevanz des Themas Zahnersatz.

Herr Eitler, Sie hatten die seltene Gelegenheit, Ihre eigene Grossmutter mit neuem Zahnersatz zu versorgen. Wie sah die medizinische Situation aus?

Erwin Eitler: Meine Grossmutter litt unter ihrem parodontal stark geschädigten Gebiss in Ober- und Unterkiefer. Die Parodontitis hatte den Zahnhalteapparat nachhaltig geschädigt. Die noch vorhandenen eigenen Zähne im Oberkiefer waren nicht zu erhalten. Auch im Unterkiefer liessen sich Extraktionen durch den Zahnarzt nicht vermeiden. Allerdings waren dort die Prämolaren und die Eckzähne für die Verankerung einer Zahnprothese nutzbar.

Mit welchen Beeinträchtigungen war Ihre Grossmutter dadurch konfrontiert?

Erwin Eitler: Sie hatte Probleme beim Kauen und Sprechen. Ausserdem fühlte sie sich unwohl bezüglich des Aussehens. Ihr Wunsch war es, endlich wieder schön lachen und ohne Beeinträchtigung sprechen zu können. Darüber hinaus wünschte sie sich einen Zahnersatz, der langlebig ist und sich einfach handhaben und reinigen lässt.

Welche Herausforderungen bot dieser Fall ausserdem?

Erwin Eitler: Meine Grossmutter wollte jeden chirurgischen Aufwand vermeiden. Eine Versorgung mit Implantaten kam für sie nicht in Frage. Die Behandlung beim Zahnarzt sollte auf das notwendige Minimum reduziert bleiben. Und weil die Patientin eine enge Angehörige von mir ist, habe ich noch höhere Anforderungen an mich selbst und damit auch an das Ergebnis gestellt.  

Für welche Art von Zahnersatz haben Sie sich entschieden?

Erwin Eitler: Die Entscheidung fiel für eine herausnehmbare Totalprothese im Oberkiefer und für eine partielle Modellguss-Prothese im Unterkiefer - also für eine Kombination von Vollprothese und Teilprothese.

Welches Zahnmaterial haben Sie ausgewählt – und warum?

Erwin Eitler: Für die oberen Front­zähne habe ich die hochwertigen konfektionierten Zähne SR Vivodent S PE verwendet. Sie imponieren mit einer individuellen Frontzahnästhetik. Die ausdrucksstarke Textur und die interne Schichtung der Zähne gewähren eine alters­gerechte, lebendige Natürlichkeit - sie wirken wie natürliche Zähne. Zudem erfüllt das Material die Ansprüche an eine lange Haltbarkeit. Es handelt sich um hochvernetzten DCL-Kunststoff (Double Cross Linked): eine modifizierte Polymethylmetacrylat-Variante. Sie hat im Vergleich zu herkömmlichem PMMA eine höhere Druckfestigkeit, was eine längere Lebensdauer der Zähne ermöglicht.

Verraten Sie uns noch etwas zur Fertigstellung des Zahnersatzes?

Erwin Eitler: Für die Überführung der Oberkiefer-Wachsaufstellung in Kunststoff habe ich IvoBase gewählt: ein System, das Ef­fizienz und Sicherheit vereint. Zu guter Letzt habe ich entsprechend dem natürlichen Zahnfleisch die rote Ästhetik verschiedenfarbig nachgebildet. Hierfür verwendete ich das lichthärtende Labor-Composite SR Nexco mit seiner Vielzahl von Gingivafarben.

Wie war das Ergebnis?

Erwin Eitler: Der Zahnersatz beeindruckte die Patientin auf den ersten Blick. Nach dem Einsetzen der neuen Prothese offenbarte sich die natürliche und hochästhetische Wirkung. Die harmonische Interaktion der weissen und der roten Ästhetik ist beeindruckend.
Meine Grossmutter hat ein neues Lebensgefühl. Sie kann wieder herzlich lachen und ohne Beeinträchtigungen sprechen und essen. Mit dieser neu gewonnenen Lebensqualität geht sie deutlich positiver durchs Leben. Sie hat wieder die Motivation, Bekannte zu treffen und sich sozial zu engagieren.

Wie schätzen Sie die künftige Bedeutung der Totalprothetik ein?

Erwin Eitler: Bedingt durch die demografische Entwicklung wird in den kommenden Jahren die Anzahl zahnloser Patienten stark zunehmen. Die Totalprothetik wird demnach eine hohe Relevanz in Praxis und Labor behalten. Sie sollte daher weder in Ausbildung und Lehre noch im Arbeitsalltag stiefmütterlich behandelt werden.

Finden Sie als junger Zahntechniker das Thema Totalprothetik nicht «unsexy» und «angestaubt»?

Erwin Eitler: Im Gegenteil. Totalprothetik ist eine Königsdisziplin, die individuelle Konzepte erlaubt. Je nach Patientenanspruch lässt sich aus unterschiedlichen Verfahrenstechniken das jeweils passende Vorgehen auswählen. So kann beispielsweise auf digitalem Weg eine «einfache» gute Vollprothese mit vergleichsweise geringem Aufwand realisiert werden. Alternativ ist mit hochwertigen Materialien und – als Sahnehäubchen ergänzt – mit der manuellen Schichttechnik (Gingiva) ein hochästhetischer Zahnersatz realisierbar.
Totalprothetik hat nicht nur Zukunft, sondern ist auch extrem spannend.

ZT Erwin Eitler ist in der renommierten Zahnmanufaktur Zimmermann und Mäder AG in Bern/Schweiz angestellt. Der beschriebene Patientenfall ist im November 2018 im Fachmagazin Reflect 2/2018 erschienen.

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SR Vivodent, IvoBase und SR Nexco sind eingetragene Warenzeichen der Ivoclar Vivadent AG. Die Verfügbarkeit von Produkten kann je nach Land variieren.